Thorsten (2 Kommentare, 18. August 2008)

Heute vormittag.

Ich geh mit meinen Kindern an den Lech. Unter ihnen Thorsten. 2 Jahre alt. Blond. Laut. Unverbrauchte Energie leckt aus ihm wie Atommüll aus ner Alditüte. Das kompensiert nicht umbedingt sein Goldfischgedächtnis.

Wir sind am Ufer. Allgemeine Regel, zum allgemeinem Verständnis gestikuliere ich:

“Nur bis zu den Fußknöcheln ins Wasser.”

Alle nicken. Gut.

Thorsten geht ins Wasser. Nimmt ein paar Kiesel und wirft sie ins Wasser. Dem Selbsterhaltungstriebs eines Lemmings folgend, geht er den Steinen hinterher. Kurz bevor er komplett im Lech versinkt schnapp ich ihn mir und zieh ihn zurück.

“Thorsten. Nur bis zu den Fußknöcheln.”

Blaue, leicht verwaschene Augen stanzen mir ein Loch in die Iris.

Er nimmt sich wieder Steine. Wirft sie. Schaut sich um. Sieht noch mehr Steine. Und läuft wieder ins tiefere Wasser. Das ganze wiederholt sich in der kommenden halben Stunde… 5… 13… keine Ahnung. Oft.

Ich erkläre mir das mit folgenden Gedankengängen und dem geistigen Vermögen einer Kaulquappe:

“Hey, da ist Wasser! Schnell rein…. Oh, da darf ich nicht hin. Was mach ich jetzt?”

T schaut sich um…

“Heyyy, da ist Wasser! Schnell rein…. Oh, da darf ich nicht hin. Was mach ich jetzt?”

T schaut sich um… Schaut sich um…

“Heyyyyyy, da ist Wasser! Schnell rein…. Oh, da darf ich nicht hin. Was mach ich jetzt?”

T schaut sich um… Schaut sich um… Schaut sich…

“Heeeeeyyyyy….”

After Party (2 Kommentare, 30. Juli 2008)

Es war eine geile Party. Coole Leute. Gute Musik. Genug zu trinken. Doch auch die schönste Party geht einmal vorbei und auf eine erholsame Nacht folgt eine der ekelhaftesten Sachen, in der Hierarchie knapp unter ausgekotzten Kadavern unserer Katze, die es gibt. Das Aufräumen.

Nicht dass es reichen würde, dass die Leute ihre Kippen im ganzen Raum verteilen, hinaschen wo sie wollen, Bier verschütten, Flaschen kaputtschlagen und Essen durch den Raum werfen, mach ich ja auch, abgesehen vom Rauchen, nein, dann gibt es noch die extra coolen die doch unbedingt auf den Gang kotzen müssen, 2m vor der Toilette. Ja, das ist cool. Auf so was steh ich. Dumm is auch, das diese dann immer zu blöd sind das selber sauber zu machen.

Stress? Wer? Ich? Fu!

Wir, also Meike, Bene, Raphi und ich, haben also diesen hübschen Raum gereinigt. Bisschen Musik angemacht, n paar Reste gegessen. Ich pack so n paar halbvolle Chipstüten in den Müllsack, da hab ich eine Idee.

„Hey, wollen wir vielleicht den Müll trennen?“

Kurze Stille.

Bene: „Mülltrennung? Schmarn. Für was denn?“

Raphi: „So ein Blödsinn. Wir stellen einfach die Müllsäcke vorne zu den Tonnen.“

„Hmmm… von mir aus.“

Gesagt, getan. Juze aufgeräumt, Säcke da hin gestellt, heimgefahren.

Zwei Tage später Schlüssel abgegeben. So n großer Kerl hat ihn angenommen.

„Hey, da is beim Kicker ein Spieler abgebrochen.“ – Hat ihn nicht interessiert.

„Du, is der Müll von euch?“

Mist.

„Äh… äh…. Öh… äh… Ja?“

„Geh den doch bitte noch entsorgen.“

„Geht klar.“ Fu!

Na gut. Da stand ich dann 5 Minuten später vor den Recycling Containern. Vor mir zwei Säcke voller durchgemischtem Müll. Als ich die ersten halb-vollgekotzten Servietten rausholte klangen so ein paar Worte in meinem Kopf nach.

„Mülltrennung? Schmarn. Für was denn?“

Ja, genau. Für was denn Mülltrennung? Ich versuchte mich auf irgendwas anderes zu konzentrieren. Auf alles, nur nicht auf den brechreizverursachenden Gestank der aus den Untiefen dieses Monsters zu mir hinauf drang. Angela Merkels Poritze ist, höchstwahrscheinlich (denn wer will das schon erfahren?), ein Witz dagegen.

So zog ich dann Stück für Stück halbleere Energy-Drink-Dosen, Kippen, Becher mit seltsamen Flüssigkeiten, verdreckte Servietten, Apfelbutzen, voll gekotztes Klopapier und ähnlichen Mist aus den Säcken.

„So ein Blödsinn.“

Ja, ich weiß. Mülltrennung is echt Blödsinn. Gott, zum Glück hört keiner auf mich.